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Wie konnte es in der Bundesrepublik in weiten Teilen der Bevölkerung
zu dem von vielen Unternehmern und auch von Politikern beklagten
Vertrauensverlust in die Soziale Marktwirtschaft kommen? In Gesprächen
mit Managern, Wirtschaftswissenschaftlern und Börsenexperten
zeichnen die Filmemacher Matthias Heeder und Monika Hielscher ein
differenziertes Bild der Unternehmenskultur im Zeitalter der Globalisierung.
Während
die Einkommenssteigerungen der Arbeitnehmer in der Bundesrepublik
mit 2,4 Prozent unter der Inflationsrate lagen, stiegen die Einkünfte
der Manager seit 2003 um durchschnittlich 40 Prozent. Im Schnitt verdienen
Manager das mehr als 200-fache eines Arbeitnehmers. Dazu der Bremer
Wirtschaftsprofessor Rudolf Hickel: "Niemand wird ernsthaft behaupten
können, das hätte etwas mit der 200-fach erhöhten Leistungsfähigkeit
des Managers gegenüber dem Arbeitnehmer zu tun." Für
Ex-VW- und Ford-Manager Daniel Goeudevert sind es die Finanzmärkte,
die das Wirtschaftsgefüge im Zuge der Globalisierung durcheinandergewirbelt
haben.
Am Beispiel der Continental AG erläutert die Dokumentation, wie
eine konsequent an der Rendite orientierte Unternehmensstrategie zum
Erfolg führt. Manfred Wennemer übernahm im Jahre 2001 die
angeschlagene Firma. An der Börse galt Continental als sicherer
Übernahmekandidat. Binnen drei Jahren gelang es dem neuen Management,
aus dem Reifenhersteller einen weltweit erfolgreichen Autozulieferer
zu machen. Dieses Ziel konnte nur durch die teilweise Verlagerung
der Produktion in Billiglohnländer und eine an einer hohen Rendite
orientierten Strategie erreicht werden. Viele Menschen verloren hierzulande
ihre Jobs. Aus der damaligen Continental mit 30.000 Arbeitnehmern
sei laut Manfred Wennemer inzwischen ein Unternehmen mit weltweit
150.000 Beschäftigten geworden. Das heißt für Wennemer
"aber nicht, dass jeder einzelne Arbeitsplatz an jeder Stelle
in jedem Teil der Welt an jedem Tag erhalten werden wird."
Und der Fall Nokia scheint die Meinung vieler Manager zu bestätigen,
dass eine Verlagerung von Arbeitsplätzen in Billiglohnländer
die einzig lohnenswerte Alternative für ein börsennotiertes
Unternehmen ist, dessen Rendite von den Finanzmärkten abhängt.
Wie aber kann angesichts dieser Globalisierungseffekte und entfesselter
Kapitalmärkte das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Funktion
der Sozialen Marktwirtschaft wieder hergestellt werden? Es gibt sie
ja, die Unternehmen und Manager, denen es nicht um kurzfristige Renditen
und den sogenannten "Shareholder-Value" geht. Vor allem
mittelständische und eigentümergeführte Betriebe entziehen
sich den Gesetzen der Börse und des Finanzmarktes. Für den
Unternehmensberater Bernhard Fischer-Appelt sind mittelständische
Unternehmen ein schönes Beispiel, «dort gibt es viele Unternehmer,
die sehr glaubwürdig sind, die persönlich auch mit ihrer
eigenen Vita dafür stehen, dass Unternehmertum diese Kälte
nicht hat, sondern in Verantwortung lebt. "
aus Arte Pressetext