Themenabend Arte/ZDF

KILLER KEIME

 


Redaktion
Hans Robert Eisenhauer
Milka Pavlicevic

Produktion
MedienKontor Berlin
Sven Ibald
Tilo Hoffmann
Tino Schrödl

 



Ins Krankenhaus geht man eigentlich, um gesund zu werden. Doch die Zahl der Patienten, die dort erst wirklich krank werden steigt, und das weltweit. Der Grund: MRSA – ein Killer-Keim, gegen den die meisten Antibiotika wirkungslos sind.
„Alle 30 Minuten stirbt in den USA ein Mensch an MRSA“, so Dr. Monica Klevens von der US-Seuchenbehörde CDC. Mit anderen Worten: Die Super-Bakterie fordert mittlerweile mehr Todesopfer als Aids, Tendenz steigend.
Nach einer gerade veröffentlichten Studie der CDC stecken sich in den USA jedes Jahr mehr als 90.000 Menschen mit MRSA an, die Zahl der Toten wird auf über 20.000 beziffert. Hygieniker schätzen die Zahl der Opfer allerdings weit aus höher ein, da wegen der fehlenden Meldepflicht nur ein Bruchteil aller MRSA-Fälle erfasst wird.
MRSA-verseuchte Krankenhäuser werden in den USA gesprengt und durch Neubauten ersetzt, um der drohende Pandemien abzuwenden. Aber der Killer-Keim MRSA hat die Kliniken schon lange verlassen und breitet sich seit Jahren in der Bevölkerung aus. Wie groß die Bedrohung wirklich ist, weiß allerdings niemand, denn MRSA ist in den USA ebenso wenig meldepflichtig wie in Deutschland und in anderen europäischen Ländern.
Die Angst, sich in den maroden, unhygienischen Krankenhäusern mit MRSA zu infizieren, treibt jährlich über 50.000 Briten in die Kliniken Dänemarks oder Hollands, wo die Durchseuchung mit MRSA wesentlich niedriger ist.
Nach Deutschland zieht es diese Patienten allerdings nicht, denn auch Deutschland gilt als MRSA Risikoland. Hierzulande erkranken jährlich etwa 40.000 – 50.000 Menschen, weil sie sich in Krankenhäusern oder Ambulanzen mit den resistenten Erregern angesteckt haben; etwa 1.500 sterben an den Folgen der Infektion. Hygieniker schätzen die Zahl der Opfer allerdings weitaus höher ein, da wegen der fehlenden Meldepflicht nicht alle Fälle registriert werden. Experten wie der Mikrobiologe Alexander Friedrich vom Universitätsklinikum Münster schlagen Alarm, weil sich die Zahl antibiotikaresistenter Keime in Deutschland, Frankreich und Belgien in den vergangenen zehn Jahren mehr als verzehnfacht habe.
Vor dem Hintergrund einer unterschätzten und von der Gesundheitspolitik in Frankreich, Deutschland und Großbritannien lange verdrängten Gefahr, beschäftigt sich der Themenabend „KILLER-KEIME“ mit den Folgen und Perspektiven der zunehmenden Resistenz vieler Bakterienstämme gegen Antibiotika, die international als eines der drängendsten Probleme der Medizin gelten.

 

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