Ins Krankenhaus geht man eigentlich, um gesund zu werden. Doch die
Zahl der Patienten, die dort erst wirklich krank werden steigt, und
das weltweit. Der Grund: MRSA ein Killer-Keim, gegen den die
meisten Antibiotika wirkungslos sind.
Alle 30 Minuten stirbt in den USA ein Mensch an MRSA,
so Dr. Monica Klevens von der US-Seuchenbehörde CDC. Mit anderen
Worten: Die Super-Bakterie fordert mittlerweile mehr Todesopfer als
Aids, Tendenz steigend.
Nach einer gerade veröffentlichten Studie der CDC stecken sich
in den USA jedes Jahr mehr als 90.000 Menschen mit MRSA an, die Zahl
der Toten wird auf über 20.000 beziffert. Hygieniker schätzen
die Zahl der Opfer allerdings weit aus höher ein, da wegen der
fehlenden Meldepflicht nur ein Bruchteil aller MRSA-Fälle erfasst
wird.
MRSA-verseuchte Krankenhäuser werden in den USA gesprengt und
durch Neubauten ersetzt, um der drohende Pandemien abzuwenden. Aber
der Killer-Keim MRSA hat die Kliniken schon lange verlassen und breitet
sich seit Jahren in der Bevölkerung aus. Wie groß die Bedrohung
wirklich ist, weiß allerdings niemand, denn MRSA ist in den
USA ebenso wenig meldepflichtig wie in Deutschland und in anderen
europäischen Ländern.
Die Angst, sich in den maroden, unhygienischen Krankenhäusern
mit MRSA zu infizieren, treibt jährlich über 50.000 Briten
in die Kliniken Dänemarks oder Hollands, wo die Durchseuchung
mit MRSA wesentlich niedriger ist.
Nach Deutschland zieht es diese Patienten allerdings nicht, denn auch
Deutschland gilt als MRSA Risikoland. Hierzulande erkranken jährlich
etwa 40.000 50.000 Menschen, weil sie sich in Krankenhäusern
oder Ambulanzen mit den resistenten Erregern angesteckt haben; etwa
1.500 sterben an den Folgen der Infektion. Hygieniker schätzen
die Zahl der Opfer allerdings weitaus höher ein, da wegen der
fehlenden Meldepflicht nicht alle Fälle registriert werden. Experten
wie der Mikrobiologe Alexander Friedrich vom Universitätsklinikum
Münster schlagen Alarm, weil sich die Zahl antibiotikaresistenter
Keime in Deutschland, Frankreich und Belgien in den vergangenen zehn
Jahren mehr als verzehnfacht habe.
Vor dem Hintergrund einer unterschätzten und von der Gesundheitspolitik
in Frankreich, Deutschland und Großbritannien lange verdrängten
Gefahr, beschäftigt sich der Themenabend KILLER-KEIME
mit den Folgen und Perspektiven der zunehmenden Resistenz vieler Bakterienstämme
gegen Antibiotika, die international als eines der drängendsten
Probleme der Medizin gelten.
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