DER PRIGNITZ VORFALL
(AT)

Eine Dokumentation von
Monika Hielscher & Matthias Heeder

Länge: ca. 25 Minuten

 

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Im Jahr 2004 erkrankten in einem winzigen Dort in der Prignitz, Brandenburg 42 Menschen an eitrigen Hautinfektionen, einige davon mehrfach hintereinander. Insgesamt sieben Familien waren betroffen – offenbar hatten sich die Prignitzer untereinander angesteckt.
Mediziner fanden heraus, dass es sich bei dem Keim um eine besonders ansteckende (genetisch mutierte) MRSA-Variante handelte. Durch wen und wie dieser Keim in das 144-Seelen Dorf kam, kann sich bis heute niemand erklären. Innerhalb einer Familie sprang der Keim häufig über – aber auch, wenn Nachbarn Geschirr oder Spielzeug austauschten oder Mitglieder der örtlichen freiwilligen Feuerwehr die Schutzanzüge miteinander teilten.
Glücklicherweise war der Keim noch nicht gegen das Antibiotikum Methicillin resistent, weshalb die Infektion nach zwei Jahren intensivster Antibiotikabehandlung eingedämmt werden konnte. Doch die Erfahrungen aus Prignitz geben Anlass zur Besorgnis. Die Seuchenexperten und hinzugezogenen Experten des Robert Koch Instituts benötigten immerhin über zwei Jahre, bis sie die lokale Epidemie in den Griff bekommen hatten.
Wie fühlen sich die Menschen dieser kleinen Gemeinde nach erfolgreicher Eindämmung dieses hochansteckenden Erregers? Hat sich der offene und nachbarschaftlich geprägte Umgang der Bewohner untereinander geändert, etwa durch die Sorge beziehungsweise die Angst, dass sich dieses Desaster wiederholen könnte? Oder sind die sozialen Beziehungen durch die Ereignisse gestärkt worden, sind die Menschen näher zusammengerückt, als sie wie „Aussätzige“ in den Fokus der medizinischen Öffentlichkeit geraten sind? Wie haben sie diese zwei Jahre, die der Infektion folgten, erlebt? Wie reagierten Freunde und Verwandte? Konnten die Kontakte nach Aussen überhaupt aufrecht erhalten werden oder war das Dorf zu einer grossen Quarantänestation geworden? Tatsache ist, dass das Dorf und seine Bewohner einem grossen sozialen und medizinischen Labor glichen, in dem die verantwortlichen Stellen, die dem MRSA Ausbruch völlig unvorbereitet gegenüberstanden, Verlauf und Bekämpfung einer Masseninfektion studieren konnten.
Der Film rekonstruiert durch Gespräche mit den betroffenen Familien, den behandelnden Ärzten und den zuständigen Gesundheitsbehörden die Ereignisse und skizziert ein soziales und gesellschaftliches Szenario, das eintreten kann, wenn es der Gesundheitspolitik nicht gelingt, die MRSA Gefahr endlich ernst zunehmen und die Bevölkerung über die Gefahren aufzuklären.

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