Im
Jahr 2004 erkrankten in einem winzigen Dort in der Prignitz, Brandenburg
42 Menschen an eitrigen Hautinfektionen, einige davon mehrfach hintereinander.
Insgesamt sieben Familien waren betroffen offenbar hatten sich
die Prignitzer untereinander angesteckt.
Mediziner fanden heraus, dass es sich bei dem Keim um eine besonders
ansteckende (genetisch mutierte) MRSA-Variante handelte. Durch wen
und wie dieser Keim in das 144-Seelen Dorf kam, kann sich bis heute
niemand erklären. Innerhalb einer Familie sprang der Keim häufig
über aber auch, wenn Nachbarn Geschirr oder Spielzeug
austauschten oder Mitglieder der örtlichen freiwilligen Feuerwehr
die Schutzanzüge miteinander teilten.
Glücklicherweise war der Keim noch nicht gegen das Antibiotikum
Methicillin resistent, weshalb die Infektion nach zwei Jahren intensivster
Antibiotikabehandlung eingedämmt werden konnte. Doch die Erfahrungen
aus Prignitz geben Anlass zur Besorgnis. Die Seuchenexperten und hinzugezogenen
Experten des Robert Koch Instituts benötigten immerhin über
zwei Jahre, bis sie die lokale Epidemie in den Griff bekommen hatten.
Wie fühlen sich die Menschen dieser kleinen Gemeinde nach erfolgreicher
Eindämmung dieses hochansteckenden Erregers? Hat sich der offene
und nachbarschaftlich geprägte Umgang der Bewohner untereinander
geändert, etwa durch die Sorge beziehungsweise die Angst, dass
sich dieses Desaster wiederholen könnte? Oder sind die sozialen
Beziehungen durch die Ereignisse gestärkt worden, sind die Menschen
näher zusammengerückt, als sie wie Aussätzige
in den Fokus der medizinischen Öffentlichkeit geraten sind? Wie
haben sie diese zwei Jahre, die der Infektion folgten, erlebt? Wie
reagierten Freunde und Verwandte? Konnten die Kontakte nach Aussen
überhaupt aufrecht erhalten werden oder war das Dorf zu einer
grossen Quarantänestation geworden? Tatsache ist, dass das Dorf
und seine Bewohner einem grossen sozialen und medizinischen Labor
glichen, in dem die verantwortlichen Stellen, die dem MRSA Ausbruch
völlig unvorbereitet gegenüberstanden, Verlauf und Bekämpfung
einer Masseninfektion studieren konnten.
Der Film rekonstruiert durch Gespräche mit den betroffenen Familien,
den behandelnden Ärzten und den zuständigen Gesundheitsbehörden
die Ereignisse und skizziert ein soziales und gesellschaftliches Szenario,
das eintreten kann, wenn es der Gesundheitspolitik nicht gelingt,
die MRSA Gefahr endlich ernst zunehmen und die Bevölkerung über
die Gefahren aufzuklären.
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